Artenhilfsprojekt Gewöhnliche Kuhschelle
Pulsatilla vulgaris (L.) Mill.
Im Rahmen des Projektes wird die Gewöhnliche Kuhschelle (Pulsatilla vulgaris) an ausgewählten Stellen im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Mittleren Treenelandschaft, Kreis Schleswig-Flensburg, wiederangesiedelt.
Zielarten
„Natura 2000-Status“, Gefährdung S.-H., Priorität Artenhilfsprogramm
Gewöhnliche Kuhschelle: Rote Liste S.-H.: 1, Priorität Artenhilfsprogramm: 3
Ziel der Maßnahmen, Beitrag zu Natura 2000-Verpflichtungen
Ziel der Maßnahme solle es sein, für P. vulgaris an der Mittleren Treene wieder stabile, sich selbst reproduzierende Populationen in ausreichender Zahl aufzubauen. P. vulgaris stellt eine Charakterart des prioritären FFH-Lebensraumtyps 6120 – (Basenreiche Sandmagerrasen) dar. Der Erhalt des Lebensraumtyps als auch der angesiedelten Kuhschellen wird durch eine extensive Schaf- und Rinderbeweidung sichergestellt. In besonderen Fällen können spezielle Pflegemaßnahmen (Freimähen, Plaggen) durch einen örtlichen Landschaftspflegetrupp durchgeführt werden.
Bisherige Wiederansiedlungsmaßnahmen
1997 wurde von W. UPHOFF eine Suche nach den noch verbliebenen Vorkommen von P. vulgaris in der oberen Treenelandschaft durchgeführt. Erst nach eingehender Suche und Befragung der örtlichen Bevölkerung konnten noch ganze vier sterile Kuhschellenpflanzen bei nur wenigen quadratmeter großen Fläche bei Keelbek festgestellt werden. Aufgrund der bedrohlichen Lage, dass P. vulgaris in Schleswig-Holstein aussterben könnte, wurden folgende Sofortmaßnahmen festgelegt:
- Intensivpflege der Restvorkommen
- Vermehrung durch Aussaat von Samen der noch authochtonen Restvorkommen
- Maßnahmen zur Wiederansiedlung und Wiederausbreitung Mit der Gewinnung von Samen ab 1998 und Anzucht von Jungpflanzen, konnten ab 2000 bis 2006 ca. 200 Individuen von P. vulgaris in der Umgebung von Eggebek und Tydal wieder angesiedelt werden. Insgesamt hat sich die Population mit ca. 50 Pflanzen mit einem 25% Wiederansiedlungserfolg stabilisieren können. Die bestehenden Vorkommen werden vom Naturschutzverein Obere Treenelandschaft e.V. gepflegt.
Weitere Maßnahmen
Die mangelnde Reproduktion von P. vulgaris ist neben dem Fehlen von geeigneten nährstoffarmen und offenen Standorten i.d.R. bei individuenschwachen Populationen auf die fehlende Produktion einer ausreichenden Samenmenge der Bestände zurückzuführen. Die Samenproduktion geht bei kleinen und isoliert vorkommenden Populationen sukzessive zurück. Zudem ist der Anteil fertiler Samen pro Pflanzen in kleinen Populationen durch mangelenden Genaustausch, nachteiliger Umwelteinflüsse u.w.m. herabgesetzt. Daher wird angestrebt, ausreichend große Populationen an dafür geeigneten Standorten in der Treenelandschaft zu etablieren. Dabei sollen die bereits bestehenden Populationen weiterhin sachdienlich gepflegt (s.o.), aber auch durch Nachpflanzung gestärkt werden. Geeignete, benachbarte Gebiete sollen mit einbezogen werden.
Der gesamte Betrachtungsraum zu Wiederansiedlung von P. vulgaris in der Treenelandschaft erstreckt sich über mehrere Einzelflächen auf einer Entfernung von ca. 20 km Luftlinie. Aufgrund der geringen Ausbreitungstendenzen von P. vulgaris und der geringen Ausbreitungserfolge in bereits etabliertem Grünland, ist mit einer (Wieder-) besiedlung des Raumes auf natürlichem Wege nicht zu rechnen. Spontane Neubesiedlungen von Standorten wurden an der Treene in den letzten Jahren nicht festgestellt.
Wiederansiedlungsmaßnahmen stellen unter diesen Bedingungen sinnvolle Maßnahme zum Erhalt von heimischen Arten in Schleswig-Holstein und zum Erhalt der Biodiversität dar.
Die geplanten Maßnahmen stellen eine Ergänzung und Erweiterung zu den bereits bestehenden Bemühungen von UPHOFF dar. Auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse von UPHOFF soll aufgebaut werden.
Erhalt und Sicherung der bereits bestehenden Standorte
Die Voraussetzungen zur Sicherung und zum Erhalt der bereits bestehenden Vorkommen von P. vulgaris stellt sich in der Treenelandschaft als vergleichsweise günstig dar. Die Weideransiedlungsmaßnahmen von Herr Uphoff wurden unter Begleitung der UNB des Kreises Schleswig-Flensburg sowie Naturschutzvereins Obere Treenelandschaft e.V. durchgeführt. Sowohl der Kreis als auch der Naturschutzverein können Pflegemaßnahmen zum Erhalt der Standorte durch einen extra für Naturschutzmaßnahmen eingerichteten Landschaftspflegetrupp sicher stellen.
Projektbeiträge der Artenagentur
Die Artenagentur hat das Projekt in Kooperation mit dem LLUR initiiert und den Projektträger bei der Entwicklung, Beantragung des Projektes unterstützt. Weiterhin wird die Artenagentur den Verein Mittlere Treene e.V. bei der Projektorganisation und -abwicklung begleiten.
Status der Projektbearbeitung
Das Projekt ist auf eine Laufzeit von 3 Jahren, von 2010 bis 2012, ausgelegt. Der Projektantrag wurde im Juli 2010 vom MLUR bewilligt. Kurzfristig darauf wurde der Auftrag zur Vermehrung von P. vulgaris vergeben. Mit dem Förderverein Mittlere Treene wurde Anfang des Jahres ein Arbeitstreffen durchgeführt, um potentielle Ansiedlungsflächen zu identifizieren. Eine erste Vor-Ort-Recherche zu den möglichen Wiederansiedlungsflächen wurde Anfang Juni 2010 von Seiten der Artenagentur mit dem Verein durchgeführt. Weitere Flächenrecherchen erfolgen im Laufe des Jahres. Noch im Herbst 2010 ist daran gedacht, erste Auspflanzungsmaßnahmen durchzuführen.





