Artenhilfsprojekt Stängellose Primel

Primula vulgaris Huds.

Ansprechpartner Artenagentur: Detlev Finke

Projektziel

In dem Projekt sollen vorhandene Populationen der Stängellosen Primel (Primula vulgaris) durch Wiederansiedlung in drei Verbreitungsgebieten der ursprünglichen Vorkommen in Schleswig-Holstein gestärkt werden. Da Primula vulgaris an Standorten mit stärkerem Publikumsverkehr stark durch Ausgraben gefährdet ist, sollen die Ansiedlungsaktionen mit einer intensiveren Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden.

Zielarten

(„Natura 2000-Status“, Gefährdung S.-H., Priorität Artenhilfsprogramm)

Stängellose Primel (Primula vulgaris): Rote Liste SH: 2, Schleswig-Holstein hat für die Art eine bundesweite Verantwortung, Priorität: 3

Beitrag zu Natura 2000-Verpflichtungen

Die Stängellose Primel (Primula vulgaris) ist keine FFH-Art. Die Bearbeitungsgebiete sind Bestandteil folgender FFH-Gebiete:

Konkrete Pflegemaßnahmen sind an den Standorten (Schluchtwälder, Hangwälder an Reliktkliffs der Ostsee) i.d.R. nicht notwendig. Als indirekte Biotopschutzmaßnahmen sind Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärungskampagnen vorgesehen.

Maßnahmen

Flächensicherungen werden voraussichtlich nicht für die Umsetzung des Projektes notwendig sein, da sich die Vorkommen der Stängellosen Primel (Primula vulgaris)weitestgehend auf schwer zu nutzende oder geschützte Landschaftsbestandteile/-elemente (Schluchtwälder, Knicks, Kliffs etc.) beschränken.

Der Bestandszerstörung durch Mülleintrag und Ausgraben soll zunächst durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit begegnet werden. Ggf. sind weitere Schutzmaßnahmen im Einvernehmen mit Flächeneigentümern notwendig (bspw. Abzäunungen).

Projektbeiträge der Artenagentur

Die Artenagentur hat das Projekt nach einem Hinweis der AG Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. initiiert. Sie unterstüzt den Projektträger bei der Entwicklung, Beantragung und Umsedtzung des Projektes.

Stand der Projektbearbeitung

Mit Beratung des LLUR sowie der AG Geobotanik in Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. wurden geeignete Vorkommen von P. vulgaris in der Geltinger Birk, im Riesewohld und in der Eckernförder Bucht bei Aschau und am Aassee zur Beerntung und zur ortsnahen Wiederansiedlung identifiziert. Bei der Flächenrecherche wurde auf die Ergebnisse einer landesweiten Kartierung der AG Geobotanik zurückgegriffen (siehe Romahn et al. 2007).

Mit der Integrierten Station Geltinger Birk und der Lokalen Aktion Bündnis Naturschutz in Dithmarschen e.V. konnten zwei regionale Akteure gewonnen werden, die im Sommer 2009 sowohl vor Ort Saatgut an ausgewählten Mutterpflanzenpopulationen sammelten, als auch eine Wiederansiedlung an geeigneten Standorten in 2010 sicherstellen werden. Im Bereich der  Eckernförder Bucht wurden die Bestände durch die Artenagentur beerntet.

Im Juli 2009 wurden die Samen zur Vermehrung an eine Gärtnerei übergeben. Das Saatgut wurde zum Winterausgang Anfang 2010 zur Aussaat gebracht und steht nach Auskunft des Betriebes im Juli/August 2010 als vorgezogene Einzelpflanzen zur Auspflanzung zur Verfügung. Es wurde vereinbart, 1.000 Pflanzen anzuziehen.

Im Sommer 2010 wurden Ansiedlungsmaßnahmen im Reisewohld und in Ost-Angeln durchgeführt. Die gewonnene Saat aus den Gebeiten der Eckernförder-Bucht ist nicht aufgelaufen. Das Wiederansiedlungsprojekt wurde mit den durchgeführten Maßnahmen vorerst in 2010 abgeschlossen.

Im Rahmen einer Erfolgskontrolle wurden im April 2011 die neubesiedelten Standorte in Angeln stichprobenhaft und im Riesewohld zur Gänze aufgesucht.
Zu den Wiederansiedlungen in Angeln, wo die Primel überwiegend an Knickrändern und Bachufern wiederangesiedelt wurde, konnten die Einzelpflanzen in > 80% der Fälle im z.T. noch recht kleinen, aber vitalen Zustand wiedergefunden werden.

Bei der Komplettbegehung im Riesewohld waren die Pflanzen insgesamt zu einem schätzungsweise geringeren Prozentsatz (ca. 70 %) anzutreffen. Vitale Individuen konnten an allen Wiederansiedlungstandorten angetroffen werden, wobei sich die besten und vollständigsten Ausprägungen an besonnten Knickrändern zeigten. Hie waren vereinzelte Pflanzen auch schon in Blüte.

Geringere Prozentsätze waren an den Wiederansiedlungsstandorten im Wald zu finden. Da hier die Vorkommen aber zu einem Gutteil von einer dickeren Laubschicht überlagert war, ist davon auszugehen, dass mehrere Pflanzen übersehen wurden. An wenigen Pflanzen wurde gerade an Waldstandorten Schneckenfraß festgestellt. Größtenteils waren die Pflanzen aber in einem gesunden kräftigen Zustand.

Der Projektabschluss wird somit als erfolgreich bewertet. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob die neubesiedelten Standorte zu einer dauerhaften Stärkung des Ursprungsvorkommens beitragen können.

Projektträger

Kooperationspartner

Stängellose Primel (Primula vulgaris) (Foto: K. Romahn)
Stängellose Primel (Primula vulgaris) (Foto: K. Romahn)
Recherche zu möglichen Mutterpopulationen der Stängellosen Primel auf der Geltinger Birk (Foto: Artenagentur)
Recherche zu möglichen Mutterpopulationen der Stängellosen Primel auf der Geltinger Birk (Foto: Artenagentur)
Verbreitung der Stängellosen Primel (Primula vulgaris) in Schleswig-Holstein
Verbreitung der Stängellosen Primel (Primula vulgaris) in Schleswig-Holstein
Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. - Artenagentur Schleswig-Holstein
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