Pilotprojekt Entwicklung artenreicher Grün- und Offenlandlebensräume in Schleswig-Holstein

Ansprechpartner Artenagentur: Detlev Finke

Projektziele

Für den Erhalt der biologischen Vielfalt ist es ein generelles Problem, dass sich Offenlandbiotope trotz intensiver Pflege in überschaubaren Zeiträumen nicht zu artenreichen Lebensräumen entwickeln. Samen von Wiesenarten überleben zumeist nur ein bis drei Jahre im Boden. Eine Einwanderung ist nur dann möglich, wenn die Distanzen zu den nächsten Vorkommen klein und Wanderkorridore vorhanden sind. Dies ist in Schleswig-Holstein in den überwiegenden Landesteilen nicht der Fall. Von 25% der Pflanzenarten sind nur noch weniger als 30 Vorkommen bekannt. Geringe Wandergeschwindigkeiten und hohe Konkurrenz durch Gräser verhindern überdies die Keimung der Blütenpflanzen. Struktur-,  Pflanzen- und Tierarmut, insbesondere an Insekten und Vögeln, sind die Folge. Damit artenreiche Bestände entstehen können, müssen Pflanzenarten gezielt durch Saat-, Mahdgut und Sodenübertragung eingebracht werden.

Ziel des Projektes

Ziel ist es, entwicklungsbedürftige Grün- und Offenlandlebensräume, die sich im öffentlichen Besitz befinden (Flächen der Stiftung Naturschutz, Landes- und Kreisflächen etc.), mittelfristig in standortstypische artenreiche Vegetationsbestände zu überführen. Im Rahmen des Pilotprojektes sollen Erfahrungen zur Wiederherstellung artenreicher Grün- und Offenlandbiotope mit den Methoden der  Mahdgut- und ggf. Sodenübertragung sowie der Ansaat von regionalem Saatgut gesammelt werden. Unterstützende Instrumente, wie das Spenderflächenkataster Schleswig-Holsteins sowie lokale Akteure wie der Archepark Eggebek und heimische Saatgutproduzenten für autochthones Wildsaatgut werden eingebunden.
Mit dem Initialprojekt sollen zudem Erfahrungen logistischer, praktischer und finanzieller Art für umfangreichere zukünftige Umsetzungsmaßnahmen für Folgeprojekte gesammelt und die Projektziele konkretisiert werden.

Beitrag zu Natura 2000-Verpflichtungen

Im Rahmen der Wiederherstellung artenreichen Grün- und Offenlandes sollen auch Renaturierungsmaßanhmen zu FFH-Lebensraumtypen wie: Sandheiden auf Binnendünen (LRT-2310), Sandtrockenrasen auf Binnendünen (LRT-2330) oder Artenreiche Flachlandmähwiesen (LRT-6510) etc. besondere Berücksichtigung finden. Die Maßnahmen kommen vielen gefährdeten Pflanzenarten aber auch verschiedenen Vogelarten der offenen und halboffenen Kulturlandschaft, wie Braunkehlchen, Feldlerche, Heidelerche oder dem Neuntöter zugute, für die nach dem Artenhilfsprogramm Maßnahmen durchgeführt werden sollen.

Maßnahmen

Im Rahmen des Pilotprojektes ist zunächst die Wiederherstellung von 10 artenreichen Grün- und Offenlandflächen in 2011 geplant. Hierbei sollen u.a. Erfahrungen zur Kalkulation, Organisation und Durchführung verschiedener:

  • Bodenbearbeitungsmaßnahmen zur Vorbereitung der Empfängerflächen (Eggen, Grubbern, Fräsen, Pflügen)
  • Maßnahmen zur Mahdgutgewinnung mit traktorgeführten Geräten (Kreiselmähwerk, Schlegelmulcher etc.) sowie zur Mahd mit handgeführten Geräten (Freischneider, Einachsmäher)
  • Lade-, Transport- und Ausbringungstechniken (mit Ladewagen, mit Häcksler und Breitstreuer, mit Handbeladung und -ausbringung)

gesammelt werden.

Projektbeiträge der Artenagentur

Die Artenagentur war für den Projektträger (Stiftung Naturschutz)federführend in der Planung und Beantragung des Projektes tätig. In Zusammenarbeit mit dem LLUR wurde die Flächenauswahl der Spenderflächen getroffen. In Kooperation mit der Stiftung wurden Empfängerflächen identifiziert und die Projektabwicklung (Unternehmerrecherche, Auftragsvergabe, tw. Bauleitung und Projektabwicklung etc.) durchgeführt. 

Status der Projektbearbeitung

Das Projekt konnte trotz schlechter Witterungsvoraussetzungen von Anfang August bis Mitte September 2011 mit den Geländemaßnahmen abgeschlossen werden.

Projektträger

Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

Kooperationspartner

Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR)

Bundeswehr:  Dienstleitungszenturm Plön, Servicecenter Putlos, Erprobungsplatz Meldorfer Bucht

Kreis Segeberg - Untere Naturschutzbehörde

Verein Bunde Wischen e.V.

Herr Hans-Jürgen Meints

Bodenbearbeitung der Empfängerfläche (Pflügen, Eggen, Walzen) zur weitestgehenden Konkurrenzunterdrückung der Altvegetation; Curau (Foto: Artenagentur)
Bodenbearbeitung der Empfängerfläche (Pflügen, Eggen, Walzen) zur weitestgehenden Konkurrenzunterdrückung der Altvegetation; Curau (Foto: Artenagentur)
Mahd von Spenderflächen mit Freischneider auf den Truppenübungsplatz (TÜ)-Putlos (Foto: Rickert)
Mahd von Spenderflächen mit Freischneider auf den Truppenübungsplatz (TÜ)-Putlos (Foto: Rickert)
Ideale Maschineneinheit (Frontmäh-werk, Ladewagen) zur direkten Mahd, Mähgutaufnahme und zum Transport; TÜ-Putlos (Foto: Rickert)
Ideale Maschineneinheit (Frontmäh-werk, Ladewagen) zur direkten Mahd, Mähgutaufnahme und zum Transport; TÜ-Putlos (Foto: Rickert)
Mulchmahd von Heideflächen mit Schlegelmäher und Fangkorb (Eigenbau); Negernbötel (Foto: Rasran)
Mulchmahd von Heideflächen mit Schlegelmäher und Fangkorb (Eigenbau); Negernbötel (Foto: Rasran)
Schlagkräftige Mahdguternte mit Häcksler und Miststreuer; Flensburg-Schäferhaus (Foto: Artenagentur)
Schlagkräftige Mahdguternte mit Häcksler und Miststreuer; Flensburg-Schäferhaus (Foto: Artenagentur)
Ein Miststreuer mit Breitstreuwerk ermöglicht sehr gleichmäßige Ausbringung des Mahdguts; Japlund (Foto: Artenagentur)
Ein Miststreuer mit Breitstreuwerk ermöglicht sehr gleichmäßige Ausbringung des Mahdguts; Japlund (Foto: Artenagentur)
Aussaat von Regiosaatgut mit Gerätekombination aus Striegel, pneum. Sähmaschine und Walze; Bothkamp (Foto: Artenagentur)
Aussaat von Regiosaatgut mit Gerätekombination aus Striegel, pneum. Sähmaschine und Walze; Bothkamp (Foto: Artenagentur)
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