Erhalt und Wiederansiedlung von FFH-und RL-Verantwortungsarten sowie Wiederherstellung von Magerlebensräumen im Elbe-Lübeck-Kanaltal bei Breitenfelde

Ansprechpartner Artenagentur: Detlev Finke

Projektziele

Der Kreis Herzogtum Lauenburg hat mit seinem eher kontinentalen Klima im Vergleich zum übrigen Schleswig-Holstein eine besondere Stellung für den Artenschutz. Etliche Arten finden hier ihre Verbreitungsgrenze in Deutschland. Im Bereich südlich von Mölln wird dieser klimatische Effekt durch die sehr durchlässigen Böden des „Büchener Sanders“ verstärkt, die besonders die Entwicklung von Trockenlebensräumen begünstigen. Diese Region mit der Schmelzwasserrinne des Stecknitz-Delvenau-Systems war daher ein Einfallstor für zahlreiche wärmeliebende Pflanzen- und Tierarten in der Nacheiszeitphase. Dieser Vorgang ist bis heute nicht abgeschlossen. Der Aufbau eines Biotopverbundsystems ist in diesem Raum deshalb besonders wichtig. Das Stecknitz-Delvenau-System mit dem Elbe-Lübeck-Kanaltal ist als Nord-Südachse die Hauptverbindungsachse zwischen Ostsee und Elbe und besitzt daher landesweite Bedeutung. Es wurde daher in die Liste der „Schwerpunkt- und Achsenräume des Schutzgebiets und Biotopverbundsystems – Landesweite Ebene“ aufgenommen. Der Kreis Herzogtum Lauenburg erwirbt in diesem Verbundraum Flächen, um sie im Sinne des Naturschutzes und des Biotopverbundes zu entwickeln. Die Bemühungen des Kreises sind dahingehend, zukünftig den gesamten Talausschnitt zwischen Alt Mölln und der A24 als Teil der Hauptverbundachse „Elbe-Lübeck-Kanal“ möglichst uneingeschränkt für den Arten- und Lebensraumschutz nutzen zu können und über Entwicklungsmaßnahmen die Durchgängigkeit dieses Raumes für viele wild lebende und gefährdete Arten zu verbessern.  Der Kreis Herzogtum Lauenburg hat bereits im gesamten Talraum erhebliche Flächen erworben, um insbesondere auch der Artenwanderung im Zusammenhang mit dem Klimawandel Raum zu geben. Dieses Ziel ist zwar noch nicht erreicht, als Voraussetzung für die Lebensraumgestaltung konnte aber Flächenerwerb in einen solchem Umfang durchgeführt werden, dass mit einem Konzept insbesondere zur Entwicklung von Trocken- und Magerlebensräumen begonnen werden kann.

Zielarten ("Natura 2000-Status", Gefährdung S.-H., Priorität Artenhilfsprogramm)

Brutvögel

  • Feldlerche: RL-SH 3, Priorität: 1
  • Wiesenpieper: RL-SH V, Priorität: 1
  • Braunkehlchen: RL-SH 3, Priorität: 1
  • Grauammer: RL-SH 3, Priorität: 1
  • Rebhuhn: RL-SH V, Priorität: 1
  • Wachtel: Rote RL-SH 3, Priorität: 1
  • Rotmilan (Nahrungsrevier): EU-Vogelschutzrichtlinie: Anhang I, Rote Liste S.-H.: 3, Priorität: 1
  • Wiesenweihe (Nahrungsrevier): Rote Liste S.-H.: 2, Priorität: 1
  • Heidelerche: RL-SH 3, Priorität: 1
  • Grünspecht: RL-SH V, Priorität: 1
  • Neuntöter: EU-VSG Anh. I, RL-SH V, Priorität: 1
  • Sperbergrasmücke: EU-VSG Anh I, RL-SH 1, Priorität: 1

Amphibien / Reptilien

  • Rotbauchunke (Bombina bombina): FFH-Anh. II, RL-SH Hügell.: 1, Priorität: 1
  • Wechselkröte (Bufo viridis): FFH Anh. IV, RL-SH Hügell.: 1, Priorität: 1
  • Kreuzkröte (Bufo calamita): FFH Anh. IV, RL-SH Hügell.: 2, Priorität: 1
  • Knoblauchkröte (Pelobates fuscus): FFH Anh. IV, RL-SH Hügell.: 3, Priorität: 1
  • Zauneidechse (Lacerta agilis): FFH Anh. IV, RL-SH Hügell.: 2, Priorität: 1

Flora

  • Luronium natans (Schwimmendes Froschkraut), FFH Anh. II, RL-SH 1, Priorität:1
  • Arnica montana (Bergwohlverleih), RL-SH 1, Priorität 3
  • Gentianella campestris ssp. baltica (Baltischer-Fransenenzian), RL-SH 1, Priorität 3
  • Pulsatilla pratensis ssp. nigricans (Dunkle Wiesen-Kuhschelle), RL-SH 1, Priorität 3
  • Ranunculus hederaceus (Efeublättriger Wasserhahnenfuß), RL-SH 1, Priorität 3

Beitrag zu Natura 2000-Verpflichtungen

  • Steigerung der Biodiversität, u.a. von FFH-Anhangsarten.
  • Entwicklung von FFH-Lebensräumen (s.u.).
  • Maßnahmen

In Größeren Bereichen ist die Endwicklung und Wiederherstellung von Heiden und Sandmagerrasen auf Binnendünen (FFH-LRT 2310 u. 2330) sowie von Trockenheiden (FFH-LRT 4030) geplant. Dazu sollen:

  • Bodenvorbereitende Maßnahmen (Entfernen des nährstoffreichen Oberbodens)
  • Einbringung autochthonen Samenmaterials mittels Mahdgutübertragung, der Übertragung von Heideplaggmaterial sowie der Ergänzung von wertgebenden Arten (FFH-, RL-Pflanzenarten) durch Zwischenvermehrung, falls diese nicht im Spendermaterial vorhanden sind.
  • Entfernen standortfremder Gehölze (v.a. Amerikanische Traubenkirsche)
  • Einführung der Beweidung als Pflegemaßnahme
  • Wo nötig soll auch die Mahd/Nachmahd als Pflegemaßnahme eingesetzt werden

Weiterhin sind als spezielle Artenschutzmaßnahmen die:

  • Schaffung von Strukturelementen für Reptilien (v.a. Zauneidechse)
  • Schaffung von Amphibienbiotopen in feuchteren Bereichen des Tals

geplant.

Projektbeiträge der Artenagentur

Die Artenagentur hat für den Projektträger eine Rahmenplanung erstellt und berät diesen laufend bei bereits auftretenden Umsetzungsfragen. Für 2012 werden Detailplanungen zur konkreten Umsetzung von Maßnahmen von Seiten der Artenagentur durchgeführt. Desweiteren ist die Artenagentur derzeit mit der Akquise von Spenderflächen zur Anlage der beschriebenen Biotope, u.a. im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern aktiv.

Status der Projektbearbeitung

Abstimmungen mit dem LLUR und dem MULR zur Rahmenplanung und zur Beantragung und Durchführung konkreter Maßnahmen wurden erfolgreich durchgeführt. Ein erster Durchgang zur Etablierung der Sandmagerrasen konnte erfolgreich im August 2014 durchgeführt werden.

Projektträger

Kreis Herzogtum-Lauenburg

Das Elbe-Lübeck-Kanaltal (ELK) mit Maisanbau als derzeitige ackerbauliche Hauptnutzungsform (Foto: Dierking)
Das Elbe-Lübeck-Kanaltal (ELK) mit Maisanbau als derzeitige ackerbauliche Hauptnutzungsform (Foto: Dierking)
Reste einer Magerrasenvegetation im ELK mit Berg-Sandglöckchen, Hasenklee, Acker-Filzkraut etc. welche die Entwicklungspotentiale des Kanaltals verdeutlicht (Foto: Artenagentur)
Reste einer Magerrasenvegetation im ELK mit Berg-Sandglöckchen, Hasenklee, Acker-Filzkraut etc. welche die Entwicklungspotentiale des Kanaltals verdeutlicht (Foto: Artenagentur)
Die Bohrstockprobe zeigt den rein sandigen Untergrund an. Der Oberboden ist auf Pflugtiefe stark humos angereichert (Foto: Artenagentur)
Die Bohrstockprobe zeigt den rein sandigen Untergrund an. Der Oberboden ist auf Pflugtiefe stark humos angereichert (Foto: Artenagentur)
Zielartenvegetation mit Sand-Strohblume, Berg-Sandglöckchen, Silbergras etc. wie sie unweit des Kanaltal an einer ehemaligen Trassenverschwenkung der A24 angetroffen werden kann (Foto: Artenagentur)
Zielartenvegetation mit Sand-Strohblume, Berg-Sandglöckchen, Silbergras etc. wie sie unweit des Kanaltal an einer ehemaligen Trassenverschwenkung der A24 angetroffen werden kann (Foto: Artenagentur)
Zielartenvegetation auf der Bretziner-Heide (Mecklenburg-Vorpommern) mit Besenheide-Silbergras-Rasen. Die Flächen stehen voraussichtlich als Spenderflächen für Restitutionsmaß-nahmen im Kanaltal zur Verfügung (Foto: Artenagentur)
Zielartenvegetation auf der Bretziner-Heide (Mecklenburg-Vorpommern) mit Besenheide-Silbergras-Rasen. Die Flächen stehen voraussichtlich als Spenderflächen für Restitutionsmaß-nahmen im Kanaltal zur Verfügung (Foto: Artenagentur)
Beispielhafte FFH-Lebensraumtypen-ausprägungen (Sandtrockenrasen- und Sandheiden auf Binnendünen) auf dem Truppenübungsplatz Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern). Spenderflächen für die Entwicklung entsprechender Biotoptypen im Kanaltal stehen hier in ausreichendem Umfang zur Verfügung (Foto: Artenagentur)
Beispielhafte FFH-Lebensraumtypen-ausprägungen (Sandtrockenrasen- und Sandheiden auf Binnendünen) auf dem Truppenübungsplatz Lübtheen (Mecklenburg-Vorpommern). Spenderflächen für die Entwicklung entsprechender Biotoptypen im Kanaltal stehen hier in
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